Geschichte

Geschichte am KAV-G

„Geschichte ist nicht nur Geschehenes, sondern Geschichtetes -also der Boden, auf dem wir stehen und bauen.“

Hans von Kehler

Das Fach Geschichte - und damit der Geschichtsunterricht am KAV-Gymnasium – trägt auf sehr vielfältige Weise zur Persönlichkeitsentwicklung unserer Schülerinnen und Schüler bei. Durch die Beschäftigung mit Fragen nach dem „Wer bin ich?“, „Woher komme ich?“ bekommen Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, das eigene Handeln zu reflektieren und damit immer wieder kritisch zu hinterfragen. Die Schülerinnen und Schüler entwickeln die Bereitschaft, aktiv an der Gestaltung von Gegenwart und Zukunft mitzuwirken. Gemäß der Leitlinien unserer Schule erhalten die Schülerinnen und Schüler auch im Fach Geschichte die Möglichkeit, eine Kultur der Toleranz zu  lernen und zu leben und unsere pluralistische und demokratische Rechts- und Gesellschaftsordnung aktiv zu erhalten und mitzugestalten. 

Gleichsam dem Archäologen tragen die Schülerinnen und Schüler mit dem sprichwörtlichen Pinsel Schicht für Schicht der Geschichte entdeckend ab. Jede einzelne Lage offenbart Erkenntnisse über Macht und Ohnmacht, widerstrebende Interessen, Versagen und Behauptung in den jeweiligen historischen Kontexten  -  die Schülerinnen und Schüler entwickeln damit gleichfalls ein breites Re­pertoire von Varianten für die Gegenwart. Der Geschichtsunterricht bezieht sich folglich nicht nur auf die Vergangenheit, sondern trägt durch die Auseinandersetzung mit den Zusammenhängen zwischen Vergangenheit, Gegenwartsverständnis und Zukunftsperspektive maßgeblich dazu bei, begründete Probleme der Gegenwart zu reflektieren, zu bewältigen und damit bewusstes politi­sches Handeln zu initiieren.

Selbstverständlich basiert der Geschichtsunterricht auf dem Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutsch­land und der Niedersächsischen Verfassung. Der beiden innewohnende Geist von Freiheit, Demokratie und sozialem Frieden lässt aber bewusst Raum für alternative Ideen der konkreten Ausgestaltung.  Diesen progressiv zu nutzen, ermöglichen unter anderem die Erkenntnisse aus dem Geschichtsunterricht.

Im Sekundarbereich I [Jahrgänge 5-10] bildet die Zeit den zentralen Orientierungsrahmen des Unter­richts. Beginnend mit der Ur- und Frühgeschichte sowie den geistigen und kulturellen Wurzeln Eu­ropas in Klasse 5 werden bis zum Ende von Jahrgang 10 zentrale Aspekte der historischen Epochen Antike,  Mittelalter und Neuzeit bis in die Gegenwart in chronologischer Abfolge thematisiert. Die­se bilden die Grundlage für den Geschichtsunterricht in der Oberstufe.

In der Qualifikationsphase [Jahrgänge 11 und 12] werden die erworbenen Kenntnisse problemorientiert und epochenübergreifend ange­wandt und vertieft. Der Unterricht in dieser Altersstufe ist wissenschaftspropädeutisch (d.h. wissenschaftsvorbereitend) strukturiert, dies betrifft sowohl die Inhalte (lt. Vorgaben) als auch die Methodik. Damit erwerben die zukünftigen Absolventen des KAV-G das Handwerkszeug für ein Studium, nicht nur in den Geisteswissenschaften.

Die Umsetzung der curricularen Vorgaben erfolgt am KAV-Gymnasium auf sehr vielfältige Weise. Natürlich nutzen wir die unterschiedlichen Möglichkeiten der näheren und ferneren Umgebung dazu, den Geschichtsunterricht lebendig zu gestalten. Neben Problem- und Handlungsorientierung und Methodenvielfalt im Unterricht (z.B. durch Rollenspiele, Collagen, Lernplakate, Planspiele, Entwicklung von kleinen Ausstellungen in der Schule …) beziehen wir themenorientiert  insbesondere auch sogenannte außerschulische Lernorte in den Geschichtsunterricht ein. Exemplarisch hier nur eine knappe Auswahl unserer Exkursionsziele:

  • Museumsbesuche und Workshops (z.B. im  Römer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim, Kestner-Museum Hannover, Varusschlacht-Museum und Park Kalkriese)
  • Stadterkundungen (z.B. Celle, Lüneburg, Bremen, Hamburg, Berlin)
  • Exkursionen (z.B. Kloster Wienhausen, Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn, Gedenkstätte Bergen Belsen)

Darüber hinaus werden auch Zeitzeugenvorträge und Diskussionen sowie Filmvorträge sinnvoll in den Unterricht integriert.

Diese Öffnung des Geschichtsunterrichts trägt dazu bei, die Motivation und Lernbereitschaft der Schülerinnen und Schüler zu fördern – und hat somit  positive Auswirkungen auf den Unterricht in der Schule – und bietet zudem die einzigartige Chance, Zusammenhänge zwischen dem schulischen Lernen und der Alltags- und Erfahrungswelt der Schülerinnen und Schüler herzu­stellen.

Als besonderer Beitrag zur historisch-politischen Bildung finden an unserer Schule anlässlich des Internationalen Holocaust-Gedenktages jährlich fächerübergreifende Projekttage für den 10. Jahrgang statt.

Für interessierte Schülerinnen und Schüler besteht am KAV-G die Möglichkeit, an ver­schiedenen Geschichtswettbewerben teilzunehmen. Exemplarisch genannt sei hier der Geschichts­wettbewerb des Bundespräsidenten (Körber-Stiftung). Dies ist sogar im Rahmen einer „Besonderen Lernleistung“ möglich und ersetzt damit eine der schriftlichen Abiturprüfungen.

Unser gemeinsames Ziel ist es, dass die Schülerinnen und Schüler, bei aller Anstrengung im und mit dem Fach, Freude an Geschichte erleben und immer mit offenen Augen durch die Welt schreiten.

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EAN Kurs Glück auf den Spuren der Inka

Ein Thema des Geschichtsabiturs 2013 ist der Spanische Kolonialismus, daher müssen wir uns auch mit der indigenen Bevölkerung Amerikas (Inka, Maya, Azteken) auseinandersetzen. Aus diesem Grunde besuchten die beiden EAN Geschichtskurse am 07.06.2012, unter Leitung von Herrn Schmalhorst und Herrn Glück, die Alt-Peru Ausstellung im Roemer- und Pelizaeus-Museum in Hildesheim.

Die Sammlung, die fast ausschließlich aus Grabbeigaben bestand, ist eine der größten europäischen Sammlungen präkolumischer Kunst aus dem Andenraum.

Die Ausstellung ist in den Farben der Lehmbauten der Inkas gehalten und neben den bemalten Tongefäßen, dem Schmuck und den Textilien ist ein Nachbau des Sonnentores von Tiahuanaco zu sehen. Das Highlight ist jedoch eine Darstellung einer Grabkammer mit einer echten peruanischen Hock-Mumie.

Bei der Führung durch die Räumlichkeiten, konnten wir vieles über die Hochkultur der Inka, die ihre Blütezeit zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert hatten, in Erfahrung bringen, so z.B., dass sie ihr Großreich, ähnlich wie die Azteken, durch Eroberungsfeldzüge und durch die Unterwerfung benachbarter Völker errichteten. In diesen Jahrhunderten entstanden riesige Tempel, Terrassen, Paläste, Straßen, Brücken sogar Bewässerungskanäle und Bergwerke.

Ihre Staatsform war eine Theokratie, d.h. der Herrscher wurde einem Gott gleichgesetzt, wobei auch dieser dem höchsten Gott Inti, dem Sonnengott, diente.

Neben den wichtigen Informationen erfuhren wir auch interessante Details, z.B. kannten die Inka im alten Peru bereits eine Art Bier, das aus Mais gemacht wurde. Ferner erfuhren wir, anhand der Motive auf den Tongefäßen, dass die Raubkatze eine besonderes Tier in der Kultur darstellte, denn sie symbolisierte Macht und Stärke und war oft ein Zeichen der Herrscher. Zum Ende der Führung hin erzählte man uns, wie Pizarro das Inkareich 1533 mit weniger als 200 Mann unterwerfen konnte.

Die Exkursion veranschaulichte gut das Thema, so konnten wir uns besser mit der Zeit und der Kultur der Sonnenkönigreiche auseinandersetzen, doch der Nebeneffekt war auch, dass wir auch eine Menge Spaß hatten. Ich denke ich spreche im Namen von fast allen, wenn ich behaupte, dass wir uns schon auf die nächste Exkursion freuen.

Felicia Toboll

Der EAN Geschichte Glück im Roemer-Pelizaeus-Museum Hildesheim.

Ureinwohner Perus in Hildesheim?- Der EAN-Geschichtskurs Schmalhorst auf Entdeckungstour

Am 7.6.12 fuhr der EAN-Geschichtskurs (11) von Herrn Schmalhorst nach Hildesheim ins Römer-Pelizaeus-Museum, um sich eine Ausstellung zum Thema 'Alt-Peru' anzuschauen. Ziel dieser Exkursion war es, mehr über das Leben der Inkas und deren Vorgängerkulturen in Peru zu erfahren und das im Unterricht erworbene Wissen über Formen der Kulturbegegnung insbesondere zwischen spanischen Eroberern und der indigenen Bevölkerung Mittelamerikas (Azteken & Mayas) in Bezug auf Südamerika zu erweitern.
 
Nach einer kurzen Einführung in die naturräumlichen Gegebenheiten Perus führte uns unsere Museumsführerin, Frau Roth,  zunächst durch die Geschichte von zwei Inka-Vorgängerkulturen. Diese wurden im Zenit ihrer Entwicklung durch einen sogenannten Kultur-Kollaps in Gestalt von  Naturkatastrophen zerstört und vernichtet.

Natürlich wollten wir wissen, was die Inkas als hochzivilisierte Kultur kennzeichnete: Die Verwendung von Hochbeeten in den Anden machte Landwirtschaft auch in Lagen von bis zu 6000 Metern Höhe möglich. Mit Bewässerungsanlagen wurde für eine kontinuierliche Wasserzufuhr gesorgt und so das Wasser aus den wenigen, aber wolkengussartigen Regenfällen gespeichert und bedarfsgerecht über die Zeit portioniert. Allein diese Beispiele zeigen schon, dass die Inkas einen für die damalige Zeit hohen Entwicklungsstand hatten. Über eine eigene Schriftsprache verfügten sie jedoch nicht. Botschaften des Königs in die Inka-Landesteile wurden per Boten mündlich überbracht. Bis eine Nachricht bei ihrem Empfänger angekommen war, mussten in einer organisierten Stafette viele Boten diese Nachricht auswendig lernen und an den nächsten Boten weitergeben. Diese Inka-Variante der „stillen Post“ funktionierte einwandfrei. Und  so war auch eine zentrale Verwaltung eines Staates möglich, der sich weit erstreckte - vergleichbar mit der Entfernung vom Nordkap bis Sizilien.

Im Anschluss schilderte uns unsere Führerin aus persönlicher Erfahrung einige Kultur­be­geg­nun­gen mit den Nachfahren der Ureinwohner: Es wird als Beleidigung und Zurück­wei­sung aufgefasst, wenn man als „Gringo“ das typische Maisbier ablehnt, nur weil dem „Gringo“ die Art stört, wie die Einheimischen dieses Maisbier anbieten: es wird mit einer Kelle aus einem „Eimer“ geschöpft, aus der dann in der geselligen Runde schon viele Personen vorab getrunken haben. Das zeigt, dass die Nachfahren der Ureinwohner großen Wert auf alte Traditionen legen. Unsere Führerin erwähnte auch, dass die Inka-Nachfahren des Jahres 2010 an ihrer Herkunft und Kultur Interesse zeigten, indem jetzt damit begonnen wird, die im Volk immer noch gesprochene Sprache der Inkas aufzuzeichnen – zusammen mit den mündlich tradierten Mythen, Geschichten, Bräuchen. Doch auch die humorvolle Note blieb nicht aus, als unsere sympathische Führerin von den einheimischen Frauen erzählte, die scheinbar ununterbrochen durch die Gegend liefen, um Arbeiten auszuführen.
Nach 1,5 Stunden sind wir am Ende unserer Führung angekommen. Alles in allem war die Führung sehr informativ und vor allem die persönlichen Erfahrungen unserer Führerin sind uns in Erinnerung geblieben.
Ein Bericht von Anika Wohlers und Julia Rüger