Schüleraustausch I. Liceum im. T. Kosciuszki, Konin – KAV-G
Bereits seit 1991 besteht die Partnerschaft des Kaiserin-Auguste-Viktoria-Gymnasiums Celle mit dem Koniner „I. Liceum im. T. Kościuszki“ – zu deutsch: dem ersten allgemeinbildenden Lyzeum Tadeusz Kościuszki in Konin.
Legenden ranken sich um die Entstehung des Austauschs. So wird beispielsweise erzählt, dass ein Bus mit polnischen Schülern im Jahre 1991 auf dem Weg nach Paris in Celle mit einer Panne liegen geblieben war. Da man die ganze Nacht unterwegs gewesen wäre, hätten einige der polnischen Schüler an der ersten Haustür in Celle geklingelt, um ihr inzwischen sehr dringendes Bedürfnis zu erleichtern. Zufälligerweise sei die Hausherrin die damalige Vorsitzende des KAV-Schulelternrates, Frau Dr. Peters, gewesen, die es dann schließlich angeschoben hat, den Austausch mit Konin aufzunehmen. Eine andere Version lautet, eine polnische Kollegin habe mit geschlossenen Augen ihren Zeigefinger einfach irgendwo auf eine Deutschlandkarte niedersausen lassen – und schon ward Celle gefunden!
Das schöne bei sagenhaften Erzählungen ist ja ihr populärer Charakter; dieser rückt den Gegenstand in das Interesse der Öffentlichkeit und schafft Neugierde. Dabei hat der Polenaustausch am KAV-Gymnasium solche legendäre Hilfe nicht unbedingt nötig angesichts der Realität: Seit 1991 besuchen sich polnische und deutsche Schülerinnen und Schüler regelmäßig, und nicht wenige dauerhafte deutsch-polnische Freundschaften – sogar eine Ehe! – sind daraus entstanden. Damit ist der Austausch mit dem I. Liceum im. T. Kościuszki ein wesentliches Fundament der vielfältigen europapolitischen Aktivitäten der Europaschule KAV-Gymnasium!
Angst vor der Teilnahme muss niemand haben: Man muss kein Polnisch können um am Austausch teillzunehmen. Von dieser Sorge hat uns das Lyzeum Tadeusz Kościuszki, das Deutsch als zweite Wahlfremdsprache anbietet, befreit. Verständigungsschwierigkeiten gibt es in der Regel so gut wie keine – und wozu gibt es sonst auch Hände und Füße?
Im Laufe der Jahre haben viele Kollegen den Austausch von deutscher Seite aus betreut, so Wolfgang Heßelbarth, Heinz Kracke, Hans Tauwaldt, Dr. Peter Völker, Dr. Ulrich Kopmann und seit 2007 Christian Krakau. Mit unseren polnischen Partnern, stellvertretend seien hier Frau Marzena Grzybowska und Herr Grzegorz Szopa genannt, verbindet uns inzwischen eine mehrjährige echte Freundschaft.
Der Austausch findet jährlich statt. Im Juni fährt eine KAV-Gruppe von etwa. fünfzehn Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe II zunächst nach Polen. Dort werden sie in ihren Gastfamilien untergebracht. Gemeinsame Freizeitaktivitäten in den Familien, aber auch der Schulbesuch in Konin ermöglichen ein intensives Kennenlernen unseres östlichen Nachbarlandes. Des Weiteren werden Reisen in verschiedene polnische Städte, wie z.B. Posen, Breslau, Warschau oder Danzig unternommen.
Auch ein gemeinsames deutsch-polnisches Seminar steht seit 2007 mit auf dem Programm. Deutsche und polnische Jugendliche diskutieren miteinander historische, politische oder auch gesellschaftliche Themen: So wurde in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte in Kreisau (Niederschlesien), dem ehemaligen Treffpunkt des „Kreisauer Kreises“, einer Widerstandsgruppe gegen die Nazi-Diktatur, ein bilinguales Seminar zum Thema „Vorurteile und Stereotypen“ durchgeführt. Das KAV-Gymnasium als zertifizierte Schule „proBerufsorientierung“ bescheinigt daher die Teilnahme am Austausch als „Maßnahme internationaler Kooperation“.
Ende August / Anfang September besucht dann die polnische Gruppe das KAV-Gymnasium. Auch hier leben die Schülerinnen und Schüler in den Familien ihrer Austauschpartner, wo nicht zuletzt gemeinsam Freizeit verbracht wird. Davon wird es allerdings nur wenig geben, da eine sehr abwechslungsreiche Woche vor ihnen liegt: Besuche in Hamburg oder Berlin stehen ebenso auf dem Programm wie die Teilnahme an einem Seminar-Projekt des Gesamteuropäischen Studienwerks e.V: (GESW) in Vlotho.
Diese Woche wird wie immer wie im Flug vergehen, und so muss es leider wieder heißen: Do widzenia – Auf Wiedersehen! Dass dieses recht schnell geschehen kann, liegt in Zeiten von Internet und Bahn-Sparangeboten auf der Hand.
Also: Wann sehen wir uns wieder?
Christian Krakau



